Winterschlaf, Aufwachen und Aussetzen von in menschlicher Obhut überwinterter Igel.
 

" Noch schlafen die Igel, aber........." von J. Dorschner

Die Tage werden länger, und öfter läßt sich die Sonne sehen. Wir Menschen sehen mit Sehnsucht das kommende Frühjahr und mit Frust den Winterspeck, den wir angesetzt haben. Diät ist angesagt, um im Sommer eine gute Figur zu machen. Das ist beim Igel ganz anders. Er verschläft die unwirtliche Jahreszeit, hat keine Probleme mit der Figur, denn er nimmt langsam und kontinuierlich ab. Im Schlaf verbraucht er das weiße Fett. Zum Aufwachen dient ihm das braune Fett, das in der Schultergegend angelegt ist und früher als Winterschlaforgan bezeichnet wurde. Beide Fette sollte er sich bis zum Spätherbst angefuttert haben. Die Gewichtabnahme ist unterschiedlich. Schlief der Igel ungestört durch, ist die Abnahme gering, wie bei einem sparsamen Auto. War er jedoch öfter wach, dann wurde, wie beim Start eines Autos, viel Energie verbraucht. Bis zu 40 % kann die Gewichtabnahme betragen. Diese große Gewichtabnahme wird auch bei Igeln beobachtet, die warm überwintert wurden und nicht geschlafen haben. Wenn Sie einmal ein Stäbchen ( Trinkröhrchen o.ä. ) vor den Eingang seines Schlafhäuschens gestellt hatten, konnten Sie beobachten, ob der Igel eventuell wach war. Während der Schlafenszeit haben Trockenfutter ( Gemisch aus Haferflocken, Rosinen, Sonnenblumenkernen und Nüssen ) und Wasser genügt, um eventuellen Hunger zu stillen.

Irgendwann im Frühjahr ( März bis Mai ) wird unser Wintergast seinen Schlaf beenden. Unsicher auf den Beinen, schaukelnd und zitternd, stellt er sich auf die neue Situation ein. Das kann oft Stunden dauern. Krank ist er deshalb nicht, das ist ganz normal. Aber, wie schon gesagt, er hat abgenommen und der Hunger ist riesengroß. Zunehmen heißt nun seine Devise. Stellen Sie nun wieder reichlich Fleischnahrung ( Dosenfutter, aber auch Lebendfutter in Form von Mehl- oder Tauwürmern ) hin. Bei den Würmern nicht übertreiben, bitte nur 3 5 Würmer pro Tag. Er muß sich an das Lebendfutter erst gewöhnen. Vermeiden Sie Regenwürmer oder Schnecken aus dem Garten, sie übertragen Innenparasiten und da wollen wir nicht provozieren. In der freien Natur muß er dann allerdings selbst damit fertig werden.

Eines Tages ist es dann so weit. Der Igel wird " rappelig " - er will in die Freiheit, in die Natur. Und laut Naturschutzgesetz muß er das auch, auch wenn der Abschied schwer fällt. Wenn keine Nacht oder Spätfröste mehr drohen ( Mitte Mai / nach den Eisheiligen ) bringen Sie ihren Wintergast samt Schlafhaus unter einen schützenden Strauch, möglichst abseits belebter Straßen ( vielleicht mit Folie oder Plane etwas vor Feuchtigkeit schützen ). Stellen Sie noch einige Tage Futter und Wasser (katzensicher) bereit, bis es nicht mehr angenommen wird.

Nun machen Sie sich natürlich Gedanken, was aus Ihrem Wintergast werden wird. Vielleicht gefällt ihm Ihr Garten und er bleibt in Ihrer Nähe oder es zieht ihn in die Nachbarschaft. Es kann auch sein, daß er/sie eine Familie gründet und Sie eines Tages mit Nachwuchs überrascht. Da Igel sehr ortstreu sind, ist es doch wahrscheinlich, daß er sich wieder einmal zeigt. Oft haben wir erlebt, daß von uns aufgezogene und ausgewilderte Igel, wenn sie in Not gerieten ( Krankheit, Verletzung usw ) wieder unsere Nähe und Hilfe suchten.

Wir dürfen nie vergessen, daß Igel Wildtiere sind, die trotz vorübergehender menschlicher Hilfe in der Natur gut zurecht kommen. Allerdings ist es auch unsere Pflicht, handaufgezogene Igelbabys vor dem Aussetzen an ihre Freiheit und damit an eigene Futtersuche zu gewöhnen sie quasi auf das freie Leben vorzubereiten.

Seien Sie versichert, Ihr Igel wird in der ihm neuen Umgebung zurecht kommen, Ihnen bleibt als Dank das gute Gefühl, etwas für ein hilfloses Tierchen und damit für die Natur getan zu haben.

Johannes Dorschner ist Vorsitzender des ISA Igelfreunde Sachsen Anhalt e.V.