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 April / Mai 2002  

 Aussetzen in menschlicher Obhut überwinterter Igel im Frühjahr  
 

 
Im vergangenen Herbst haben Sie einen oder mehrere hilfsbedürftige Igel bei sich aufgenommen. Ohne Ihre Hilfe hätten sie den Winter nicht überstanden. Durch Ihr Handeln haben Sie keineswegs negativ in das biologische Gleichgewicht der Natur (natürliche Auslese) eingegriffen – was oft behauptet wird - sondern der Natur Tiere erhalten. (Lesen Sie dazu meinen Beitrag auf dieser Seite im Mai)
Einige Monate haben Sie Zeit und auch Geld (Medikamente, Tierarzt, Futter etc) investiert und sich, geben Sie es zu, in diese liebenswerten Tiere verliebt. Aber nun kommt die Zeit des Abschieds. Die Natur und der Naturschutz wollen es so.
 
Dazu ergeben sich drei Fragen:       Wann ?      Wo ?      Wie ?

Wann? Wenn Sie Geduld haben und bis Mitte Mai nach den letzten Nachtfrösten (Eisheilige) warten, sind Sie immer auf der sicheren Seite. Andererseits sind natürlich auch in dem kleinen Deutschland die klimatischen Bedingungen recht unterschiedlich. Der Südwesten unseres Landes ist wesentlich wärmer als etwa das Fichtelgebirge oder der Harz; Nordseegebiete sind rauher als Ostseegebiete. So könnten sich auch andere Zeiten ergeben.

Wo? Setzen Sie Ihren Wintergast mit seinem gewohnten Schlafhäuschen unter einen Strauch, evtl. am Fundort selbst, sofern dieser nicht in der Nähe von dichtbefahrenen Straßen oder anderen Gefahrenquellen ( Baustelle, Swimmingpool, mit Insektiziden behandelte Flächen, jagdlustige Hunde usw) liegt. Wälder oder ungedeckte Wiesenflächen sind ungeeignet. Der Igel als Kulturfolger sucht die Nähe des Menschen. Deshalb sind Gartenanlagen am Haus, Stadtränder, Parks oder ortsnahe Waldränder geeigneter.

Wie? In die Nähe des Schlafhäuschens stellen Sie noch einige Tage das gewohnte Futter (Dosen – oder Trockenfutter) und Wasser. Um sicher zu gehen, daß dieses Futter auch wirklich für Ihren Igel bleibt, und nicht von Katzen weggefressen wird, stellen Sie es unter eine umgedrehte Obststiege und beschweren diese mit einem Stein. Auch wenn das Futter nach kurzer Zeit unberührt bleibt, sollten noch einige Zeit wenigstens Trockenfutter und Wasser bereit stehen. Wenn der Igel nach dem Winterschlaf auch an Lebendfutter (Mehl-oder Tauwürmer) gewöhnt wurde, wird er erfahrungsgemäß kaum Schwierigkeiten haben, sich in der Natur sein Futter selbst zu suchen. Wenn Sie in Ihrem Garten auch noch für einige Unterschlupfmöglichkeiten und Wasserschalen sorgen, haben Sie für Ihren Schützling einen guten Start ins "freie" Leben bereitet.

Wir denken, wenn Sie einmal Erfolg hatten, werden sie im nächsten Jahr wieder so handeln und Ihre Erfahrungen und Kenntnisse auch an andere Igelfreunde weitergeben – dem Igel zuliebe.

Johann Dorschner
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